MacPro7,1 - die neue Käsereibe

Nachdem in der gestrigen WWDC diverse Dinge vorgestellt worden sind, war für mich nur eine Neuigkeit wichtig: nämlich die eines neuen, modular aufgebauten Mac Pro. Und zwar ganz der Tradition des erfolgreichsten bisherigen Mac Pro folgend, wieder in einem Käsereibe-Design. Man kann sogar sagen, dass dieses neue Design eine Hommage an den alten MacPro ist. Und das ist auch gut so!

Ich empfand die gesamte Keynote spannend, es war eine der besten Keynotes der letzten Jahre. Sie war witzig, abwechslungsreich und lud verschiedenste Protagonisten auf die Bühne, unter anderem wieder Greg Federighi. Allerdings kann ich auch den Shitstorm des Interwebs verstehen, den ein Mac Pro mit einem Startpreis von $5999 auslöst. Zumal die Leistung dieses Einstiegs-Mac Pro locker in einem aktuellen Notebook für $999 gefunden werden kann. Neben dem neuen Mac Pro war auch immer die Rede von einem neuen Bildschirm, nachdem sich Apple 2016 aus der Produktion selbiger verabschiedet hatte. Und auch dieser wurde gestern vorgestellt, zusammen mit dem Mac Pro.

MacPro7,1 auf der WWDC 2019

Der Monitor

Apples Pro-Display XDR genannter 6K-Bildschirm richtet sich zweifelsohne an professionelle Nutzer und wird mit $5999 zu Buche schlagen. Dieser Preis ist angesichts der professionellen Klasse in der er spielt, die Features die er hat, wahrscheinlich sogar angebracht, aber auf verständliches Unverständnis stößt die Preispolitik seitens Apple an dieser Stelle: die Monitorhalterung, seit jeher Bestandteil eines jedes Monitors, ist hier nicht Bestandteil. Der von Apple als Pro Stand bezeichnete Ständer schlägt mit $999 ins Kassenbuch ein. Und das ist unglaublich. Oder lächerlich? Oder der Wahnsinn der heutigen Zeit.

Das Pro-Display XDR lässt sich dank Pro-Ständer bequem in den Hochformat-Modus drehen. (GIF: Apple)

‌In puncto Design hat Apple beim Display auf eine Glasoberfläche bis zum Rand (9-Millimeter-Ränder) und ein an den Mac Pro angelehntes Aluminiumgehäuse gesetzt. Der schon erwähnte kostspielige Pro-Ständer sorgt mit seiner Neigungs- und Höhenverstellung dafür, dass sich der Monitor bequem in den Hochformat-Modus drehen lassen soll. Angeschlossen wird das Pro-Display XDR per Thunderbolt-3-Kabel. Der neue Mac Pro kann laut Keynote 6 dieser Displays ansteuern.

Apple Stand Pro.

Aber zurück zum Mac Pro. Ich selbst habe mir ja erst neulich einen Mac Pro der alten Generation gekauft und diesen aufgerüstet, sodass er auch morgen noch den gängigen Anforderungen entspricht. Ganz so wie man es von einem professionellen Gerät erwarten möchte. Der Mac ist immerhin 9 Jahre alt, schlägt aber in Punkto Leistung noch häufig aktuelle Geräte. Und war aufgrund des Alters dementsprechend günstig. Das erwarte ich von so einem Top-Gerät aber auch, dass er für das investierte Geld entsprechend ausgerüstet ist und die Ewigkeit überdauert, um pathetisch zu sein.

Mac Pro auf der WWDC

Wie zuvor schon erwähnt mahnt das Design des neuen Mac Pro an das des classic MacPro (cMP) welcher gar auf dem Powermac G5 basiert und somit seit 2004 gebaut wird. Das ist unglaublich lang für ein Industrieprodukt aus dem "Unterhaltsungssektor". Vergleichen wir die Daten, sehen wir eine ziemliche Übereinstimmung.

Powermac G5 Mac Pro 2019
Höhe 51,1 cm 52,9 cm
Breite 20,6 cm 21,8 cm
Tiefe 47,5 cm 45 cm
Gewicht 17,8 Kg 18 Kg

Der neue Mac Pro bietet schier unendliche Möglichkeiten. Das Einsteigermodell beginnt bei at $5,999 für die 8-Kern Intel Xeon 3.5GHz Variante, bestückt mit  32GB RAM einer 256GB SSD und der Radeon Pro 580X Grafikkarte. Aber es wäre kein Pro-Modell, wenn man es nicht aufrüsten könnte. Das Maximum stellen sicherlich die 1.5TB RAM oder die beiden Radeon Pro Vega II Duo Grafikkarten mit dem 28-Kern Xeon Prozessor dar.

Die Füße des MacPro7,1 aka Mac Pro 2019

Prozessoren

Folgende Ausbaustufen stellen sich dar:

  • 8-core, 16 threads, 3.5GHz, 4.0GHz TB, 24.5MB cache, $5,999
  • 12-core, 24 threads, 3.3GHz, 4.4GHz TB, 31.25MB cache, price TBC
  • 16-core, 32 threads, 3.2GHz, 4.4GHz TB, 38MB cache, price TBC
  • 24-core, 48 threads, 2.7GHz, 4.4GHz TB, 57MB cache, price TBC
  • 28-core, 56 threads, 2.5GHz, 4.4GHz TB, 66.5MB cache, price TBC

66,5  verfickte MEGABYTE Cache. Ich glaube ich werde ohnmächtig.

RAM

Chips
Photo by Liam Briese / Unsplash
  • 32GB mit vier 8GB DIMMs
  • 48GB, six 8GB DIMMs
  • 96GB, six 16GB DIMMs
  • 192GB, six 32GB DIMMs
  • 384GB, six 64GB DIMMs
  • 768GB, six 128GB DIMMs

Der "Einstiegsmac" unterstützt bis zu 1TB 2666MHz Speicher, der 12- und 16-Kern Knödel kann bis zu 1TB 2933MHz Speicher adressieren, und der 24- und 28-Kern Klopper schließlich unterstützt bis zu 2TB 2933MHz Speicher. Lasst das sacken, denkt in Ruhe darüber nach… und dann rechnet mal aus, was derzeit 2 TB Speicher kosten. ECC!

Massenspeicher

Der MacPro wird mit einer 256 GB SSD ausgeliefert und kann auf 4 TB aufgerüstet werden.

Sicherheit

Wie bereits mit dem 2016er Macbook Pro (Touchbar) eingeführt, verfügt auch der neue MacPro über den Sicherheitschip T2 der für viele besondre Funktionen zuständig ist. So übernimmt er die Steuerung der Mikrofone, beim Macbook auch die der integrierten Kamera und trägt zum sicheren Bootvorgang bei, wodurch ein unrechtmäßiger Zugriff verhindert wird. Im laufenden Betrieb sorgt der T2 für einen weiteren Vorteil gegenüber Geräten ohne den Sicherheitschip: Der interne Speicher wird in Echtzeit verschlüsselt. Dies entlastet den Prozessor deutlich, da dieser von der Ver- und Entschlüsselungsaufgabe befreit wird. Sollte ein Angreifer beispielsweise (Fern-)Zugriff auf den Mac erhalten, bleiben Daten wie Passwörter stets geschützt, da diese sich nicht über die CPU auslesen lassen, sondern vom T2 verwahrt werden. Weiterhin ist es dank neuem T2 unmöglich, den Rechner ohne Benutzerkennung, ähnlich wie bei iOS-Geräten, neu aufzusetzen. Ein Dieb hat also wenig Freude am Gerät, auch nach Ausbau aller Festplatten.

T2 Sicherheitschip

Grafikkarte

Der Mac startet mit einer Radeon Pro 580X und endet bei der AMD Radeon Pro Vega II (Link), welche über bis zu 14 teraflops Compute Performance und maximal 32GB RAM mit 1TB/s Bandbreite verfügt, the highest of any GPU, laut Apple.

Die zweitgenannte AMD Radeon Pro Vega II kann auch als AMD Radeon Pro Vega II Duo geordert werden, dann hat man zwei dieser Grafikkarten. Die o.g. Daten verdoppeln sich, genug Power also für den Rest des Lebens, sollte man meinen.

AMD-Grafikkarten: Radeon Pro Vega II und Pro Vega II Duo

Erweiterungsmöglichkeiten und Anschlüsse

Apples Tim Cook hat den Mac Pro gestern als den "am meisten konfigurier- und erweiterbaren Mac aller Zeiten" bezeichnet. Und das liegt am modularen Design, an jenem Design welches nicht erst durch den Powermac G5 und den Käsereibe Mac Pro so beliebt war, und was Millionen Pro User seit 2013 wöchentlich forderten. Und Apple ist zu diesem Design zurück gekehrt - zum Glück.

Die PCIE Anschlüsse im neuen MacPro

Der Mac verfügt nun über 8 PCI-Express Anschlüsse (der alte MacPro hatte 4). Es sind vier double-wide slots und drei single-width slots. Der achte Slot ist ein half-width slot den Apple für eine eigene I/O Karte vorhält die mit zwei Thunderbolt 3 Anschlüssen und zwei USB-A ports sowie einem 3.5mm audio Klicke daher kommt.

Weiterhin verfügt der Mac Pro über 12 Thunderbolt 3 Anschlüsse.

Afterburner

Apple bietet eine Afterburner genannte Erweitzerungskarte speziell für Videoprofis an. Diese Beschleunigerkarte macht es möglich, gleichzeiteig drei Streams in 8K ProRes RAW video mit 30 fps, oder 12 Streams mit 4K ProRes RAW at 30 fps, oder 16 streams of 4K ProRes 422 mit 30 fps ruckelfrei zu fahren. Unglaublich.

Apple will den Mac Pro ab Herbst 2019 ausliefern, ein genaues Datum nannte der Hersteller nicht. Die Basiskonfiguration mit acht CPU-Kernen, 32 GByte RAM, Radeon Pro 580X und 256 GByte fassender SSD soll 6.000 US-Dollar vor Steuern kosten.

XStat.de